Historie

 

Die Geschichte des Bergbaus in Schwarzenberg

Im Tal des Schwarzwassers trohnt auf einem Felsen mitten in der Stadt Schwarzenberg weithin sichtbar das Ensemble aus Schloss und Kirche. Im Jahre 1212 erstmals urkundlich erwähnt, gilt das Schloss in Schwarzenberg als Ausgangspunkt für die Besiedlung der Region und die Entwicklung der Stadt. Schwarzenberg wurde 1515 Bergstadt und Sitz des grundherrlichen Bergmeisters Georg Brosius, der im Auftrag und im Namen der Herren von Tettau den Bergbau auf die edelmetallfreien Erze leitete. Zum Herrschaftsgebiet gehörten die späteren Bergstädte Gottesgab (gegründet 1530) und Platten (gegründet 1532).

Bergbau auf Gold und Silber - aber auch auf silberhaltige Kupfererze und Bleiglanz - musste Brosius dem kurfürstlichen Bergmeister überlassen. So blieben ihm vor allem Eisen- und Zinnerz. Mit fortschreitender Erschöpfung der Zinnseifen verlagerte sich schon im 16. Jahrhundert das Schwergewicht auf die Eisenerzgewinnung. Die Eisensteinvorkommen deckten den damaligen Bedarf der zahlreichen Hammerwerke. Vor allem seit 1537 kam es zu einer rasanten Entwicklung der Blechhammerwerke für die Weißblechproduktion, die sich von Blauenthal auf den Eibenstocker Teil der Schwarzenberger Herrschaft ausdehnte. Insgesamt trugen mehr als zwei Dutzend Hammerwerke dazu bei, dem "Schwarzenberger Eisen" einen guten Ruf zu verschaffen.

Die Dreiflügelanlage des Schwarzenberger Schlosses mit Palas, Zwischenbau, Bergfried und dem Verwaltungsgebäude verdeutlicht die enge Verflechtung mit den böhmischen Bergbaugebieten. Das Schloss fungierte hier neben der Verwaltungsfunktion auch zum Schutz der nach Böhmen führenden Handelswege.
1856 wurde bei der Neuordnung der westsächsischen Bergreviere das Schwarzenberger Revier neu gegründet. Es umfasste das vereinigte Revier Johanngeorgenstadt-Schwarzenberg-Eibenstock, das Schneeberger Revier mit der Voigtsberger Abteilung sowie vom ehemaligen Bergamt Annaberg die Revierabteilung Scheibenberg-Hohenstein-Oberwiesenthal.

 

Die Baugeschichte des Schlosses

Von der alten Burganlage ist - bis auf den Bergfried - kaum etwas erhalten. Erst der Umbau zum kurfürstlichen Jagdschloss, der in den Jahren 1555 bis 1558 erfolgte, schuf die Grundform für den heutigen Bau. Damals war das "Oberhaus" massiv ausgeführt und der Eingang zu den kurfürstlichen Wohnräumen in den Wendelstein verlegt, von dem aus man gleichzeitig in den Verbindungsbau zwischen Bergfried und Palas gelangen kann. Der Bergfried, an dem man schon am Ende des 15. Jahrhunderts das hohe, mit einem Staffelgiebel geschmückte Turmhaus angefügt hatte, wurde mit einer welschen Haube abgedeckt, die er bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts behielt. Um 1558 stockte man den südlichen Verbindungsbau bis zur Traufhöhe des Palas auf. 1852 entschloss man sich, auch den Bergfried um zwei Stockwerke zu erhöhen und ihm ein hohes gotisierendes Kegeldach als Abschluss zu geben. Gleichzeitig erhöhte man den zwischen Turm und Turmhaus eingefügten Wendelstein um zwei Geschosse und schloss ihn ebenfalls mit einer Spitzhaube ab.

Mit der Erhöhung des Turmes um zwei Stockwerke und dem Anbau des Amtsgerichtes an der Nordseite erhielt die Anlage im Jahre 1875/76 ihre heutige, über die Stadt dominierende Gestalt. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde der Nordflügel und Teile des Palas als Gericht genutzt. Im Inneren wurden zahlreiche Umbauten vorgenommen. Seit 1990 ist der Landkreis Eigentümer des Schlosses.

Seit dieser Zeit erfolgten die Restaurierung des Festsaales (der bis dahin als Gerichtssaal genutzt wurde) und der Ausbau des Nordflügels. Hier haben die Volkskunstschule des Erzgebirgskreises (Erdgeschoss) sowie die Musikschule des Erzgebirgskreises (1. Obergeschoss) ihren Sitz. Im Jahr 2013 wurde mit der baulichen Umsetzung eines Brandschutzkonzeptes begonnen. Umfassende Schutzmaßnahmen erfolgten in den Räumen des Museums und im Bergfried in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen. Die Maßnahmen konnten in diesen Bereichen im Dezember 2014 beendet werden. Aufgrund zwingend notwendiger Reparaturen am Abwassersystem des Schlosses wurde im Jahre 2015 die Neupflasterung des Schlosshofes notwendig. Das Straßenpflaster wurde durch Granitgroßkopfpflaster ersetzt. Im Bereich des Museumseingangs sind Flusskieselsteine verlegt worden.

Alle Baumaßnahmen erfolgten in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Im Jahre 2016 wurden weitere Brandschutzertüchtigungsmaßnahmen im Dach des Nordflügels durchgeführt. Des Weiteren ist die farbliche Ausgestaltung des Aufganges im Nordflügel in Abstimmung mit einem Restaurator fachgerecht instand gesetzt worden.

 

Die heutige Nutzung des Schlosses 

Das Schloss zeichnet sich heute durch eine reichhaltige Nutzung aller Räumlichkeiten für Jung und Alt aus. Besonders für Familien mit Kindern lohnt sich der Besuch des Schlosses. In der Außenstelle des Kulturzentrums im Turm besteht die Möglichkeit, sich künstlerisch zu betätigen. In den Ferien locken zusätzliche Kinderangebote wie zum Beispiel Schnupperkurse im Schnitzen und Klöppeln sowie die Abenteuerwanderungen für die ganze Familie.

Ein vielseitiges kulturelles Angebot wird über das gesamte Jahr präsentiert. Das Spektrum reicht hierbei von klassischer Musik im Festsaal bis hin zu Irish Folk im urigen Gewölbekeller. In der Volkskunstschule des Erzgebirgskreises können Urlauber zweimal im Jahr an einem viertägigen Schnitz- oder Klöppelurlaub teilnehmen. Die Räume der Klöppelschule befinden sich im Nordflügel und können wochentags besichtigt werden. Dort befinden sich auch die Räume der Musik- und Volkshochschule des Landkreises.

Gelegenheit, sich mit der Geschichte des Schlosses und der Stadt Schwarzenberg auseinander zu setzen, bietet das städtische Museum Perla Castrum mit den Ausstellungen zur Bergbaugeschichte und zur jahrhundertelangen Tradition des Spitzenklöppelns.